101 Jahre Freikirche in Gernsbach

Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Gernsbach wurde am 8. Juni 1921 offiziell gegründet, ihre Anfänge reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Die Baptisten feiern am am 17. Juli auf Grund der Corona-Pandemie nun mit einem Jahr Verspätung ihr 101-jähriges Bestehen.

Das Gemeindearchiv der Gernsbacher Baptisten stützt sich im Wesentlichen auf die privaten Aufzeichnungen des Gemeindemitglieds Heinrich K. Wallraff, der von 1952 bis 1977 Gemeindeleiter war. Bereits während der Badischen Revolution findet unter Diakon Dr. Kayser eine Erweckung statt, in deren Folge eine Versammlung von Gläubigen in Gernsbach entsteht. Um 1890 lässt sich dann der Evangelist Friedrich Kuhs mit seiner Familie in Gernsbach nieder. Der Baron von Gemmingen stellt ihm in seinem großen Haus am oberen Stadtbuckel in unmittelbarer Nähe zur katholischen Kirche einen geräumigen Saal zur Verkündigung des Evangeliums zur Verfügung. Auch ein sogenannter „Kolportageverein“ zur Verbreitung von christlichen Schrifttums ist der Gruppierung angeschlossen.

Festgottesdienst am 17. Juli 2022 um 10 Uhr
im Gemeindehaus im Blumenweg

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Ersten Taufen finden in der Murg statt

Die ersten Taufen finden in der Murg statt und die Jugend schließt sich dem „Jugendbund für entschiedenes Christentum“ (EC) an.

Am 8. Juni 1921 wird schließlich die „Freie Christengemeinde Gernsbach“ offiziell konstituiert. In der Satzung steht unter anderem: „Zweck des Vereins ist wahres Christenleben zu fördern und zu pflegen, und zwar durch gegenseitige Belehrung und Erbauung im Worte Gottes und durch Ausbreitung des Evangeliums von Jesus Christus, dem Menschen- und Gottessohn, an Fernstehende.“

Der Verkündigungsdienst wird in erster Linie von den Brüdern Hans und Willy Kuhs wahrgenommen. Letzterer leitet auch den gemischten Chor und die Jugendarbeit. Die Finanzen betreut Hans Sontheimer. Im Jahr 1927 kann die Gemeinde mitten in der Inflationszeit und dank der finanziellen Hilfe von Glaubensbrüdern aus der Schweiz, aber auch dank des Einsatzes von eigenen Mitgliedern, ein Versammlungshaus in der Hepplerstraße 4 errichten. In den 1930er Jahren wird der Versammlungssaal zur Kindertagesstätte umgewandelt. Zu den Zusammenkünften der Gemeinde müssen die Möbel an die Wände geschoben werden, um Platz zu schaffen.
In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg schließt sich die Gernsbacher Baptistengemeinde offiziell dem Bund Evangelischlisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland an.

Im November 1953 löst sich ein Teil der Gemeindemitglieder unter Leitung von Hans Kuhs von der Gernsbacher Stammgemeinde, um in Staufenberg eine eigene Gemeinde zu gründen. Die Leitung der Gernsbacher Gemeinde übernehmen Heinrich K. Wallraff, Prediger Gustav Wallraff und Hans Sontheimer.

Im Juli wird 1958 eine kleine Zweiggemeinde der Baptistengemeinde Karlsruhe in Bühl, Zweiggemeinde der Gemeinde Gernsbach. Im Dezember 1959 erwirbt die Gemeinde eine ehemalige Schlosserwerkstatt in der Gaggenauer Waldstraße und baut es als Gemeindehaus der Gaggenauer Zweiggemeinde um. Die Einweihung wird am 4. Dezember 1960 gefeiert. Mit Blick auf ein neues Gemeindehaus erwirbt die Gemeinde 1966 ein Grundstück im Blumenweg 15. Am 1. Januar 1968 beginnt Pastor Martin Hähnel seinen Dienst in Gernsbach. Auf seine Initiative hin finden 1969 zum ersten Mal Gottesdienste im Gerns- bacher Kurpark statt, die im Sommer jeweils einmal im Monat in Zusammenarbeit mit der evangelischen St. Jakobsgemeinde angeboten werden.

1971 beginnen die Baptisten mit dem Bau der Christuskirche. Am 9. Januar 1972 findet der letzte Gottesdienst in der Hepplerstraße statt, da das Haus zur Finanzierung des Neubaus verkauft wurde. Den Rest des Jahres feiern die Gernsbacher gemeinsam mit den Gaggenauern in deren Gemeindehaus Gottesdienst. Am 7. Januar 1973 wird das neue Gemeindehaus mit einem Fest gottesdienst eingeweiht.

1984 findet erstmals eine gemeinsame Bibelwoche der drei Gernsbacher Kirchen statt. Im Jahr 1985 wird auf die Initiative von Heinz Langenbach hin das beliebte Kerzenziehen ins Leben gerufen. Unter dem Motto „Licht im Dunkeln“ kommen Interessierte in der Vorweihnnachtszeit ins Zelt vor der Christuskirche, um Wachskerzen zu ziehen. Mit dem Erlös werden Missionsprojekte unterstützt. Im November 2019 findet die Aktion erstmals in ökumenischer Zusammenarbeit statt.

Die Gernsbacher Baptistengemeinde zählt aktuell 65 Mitglieder. Kurt Nübel ist seit September 2020 Pastor, er beendete eine rund zweieinhalbjährige Vakanz. Zuvor war Daniel Storek von 2011 bis Anfang 2018 Pastor der Gemeinde gewesen. Die Gemeindeleitung liegt in den Händen von Erik Rheinschmidt.


© Badisches Tagblatt  – Markus Koch